Sehen für Blinde im digitalen Zeitalter

Sehen für Blinde im digitalen Zeitalter

Lydia's Welt

Auf dem Foto halte ich mein Smartphone in der Hand.
die Kamera ist in Richtung meiner Bluse gerichtet.

Ich bin mächtig aufgeregt. Heute habe ich einen Termin mit einer Redakteurin, die über meine Arbeit berichten wird. Das Outfit dafür habe ich gestern zusammen mit einer Freundin ausgesucht und griffbereit auf einen Bügel gehängt. Also alles palletti. Wenn nicht diese blöde Milchtüte umgefallen wäre. So was passiert nur heute, und nur weil ich mich bereits angezogen hatte. Was mache ich jetzt? Es ist keiner in meiner Nähe, den ich fragen kann ob die Kleidung sauber geblieben ist. Und viel Zeit bleibt mir nicht mehr.

Stopp, heute ist das kein Grund zur Panik. Dafür gibt es , Link, be my eyes, https://appsto.re/de/NN-81.i . eine Möglichkeit mir per Videotelefonie sehende Hilfe zu holen. Die entsprechende App habe ich schon lange auf meinem IPhone und bin somit angemeldet.
Und so sieht der Eingangsbildschirm aus…

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Wie transportiert man blinde im Auto?

Wie transportiert man blinde im Auto?

Lydia's Welt

Das Foto zeigt mich auf dem Beifahrersitz eines Autos mit geöffneter Tür.

Ich möchte in ein paar Tagen zu einer Veranstaltung fahren, die mich sehr interessiert. Eine Bekannte, die auch dort hin will, hat mir angeboten mich mit dem. Auto mitzunehmen. Und ich habe das Angebot angenommen, da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln einer Weltreise mit Ganztagscharakter gleicht. Mit dem Auto sind es vielleicht 20 Minuten.
Als wir uns kurz vorher zusammentelefonieren, um die letzten Absprachen. zu treffen, kommt die leicht verlegene Frage von ihr, mit der ich absolut nicht rechne. Sie sagt, dass sie noch nie einen Blinden im Auto hatte. Und jetzt möchte sie von mir wissen worauf sie zu achten habe, wenn sie einen Blinden transportiert.

Wie stellt man sich am besten hin?
Nun, am besten stellt man das Auto so hin, dass die Tür, in welche der Blinde einsteigt, gut zugänglich ist. Also das, was man generell…

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Blind heißt nicht gleich Rollstuhl

Blind heißt nicht gleich Rollstuhl

Lydia's Welt

Das Bild zeigt mich am Flughafen. Im Hintergrund ist eine Anzeigetafel zu sehen.

Februar 2015, kurz vor Mitternacht. Gemeinsam mit einem sehenden Bekannten befinde ich mich auf dem Flughafen in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Wir haben an der Arab. Episkopal School für blinde Lehrer und Schüler ein Seminar zum Thema „Umgang mit dem Blindenstock möglich gemacht und befinden uns auf dem Heimweg.
Als wir die Sicherheitskontrollen passieren wollen, wird mein Handgepäck kontrolliert. Dabei sprechen die beiden Mitarbeiter die ganze Zeit mit meinem Begleiter. Dieser spricht deutsch und ein bisschen englisch, während ich auch arabisch spreche. Auch wenn es mir nicht schmeckt übergangen zu werden lasse ich es geschehen. Schließlich war es ein langer Tag. Und ich will einfach nur noch im Flieger sitzen und nach Hause. Und ein bisschen ist es ja auch amüsant den Beiden zuzuhören wie sie mit meinem Begleiter in einer Mischung aus Arabisch und Englisch sprechen…

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Wie lernt mensch Inklusion? (Teil II)

kommunikatz

Auch Inklusionskinder müssen Inklusion erst lernen. Die wichtigste Aufgabe dabei haben die Eltern behinderter Kinder. Sie schaffen die psychischen und emotionalen Bedingungen, mit denen ihr Kind ins Leben und damit in die Inklusion startet. Hier möchte ich auf diese Grundlagen eingehen, die meiner Meinung nach beinahe die wichtigsten Weichen im Leben von Menschen mit Behinderungen stellen.

Ich bin ein großer Fan von Chancengleichheit und Vielfalt. Eigentlich sollten meiner Meinung nach alle Kinder die gleichen Grundlagen bekommen, die gleichen Dinge lernen und in möglichst vergleichbaren Bedingungen leben, damit sich Fähigkeiten und Interessen so frei und unbeeinflusst wie möglich entfalten können. Wenn die Bedingungen aber nicht gleich sein können, impliziert Chancengleichheit für mich, dass ein Ausgleich stattfinden muss, um den Kindern trotz der unterschiedlichen Bedingungen möglichst gleiche Entwicklungschancen zu eröffnen. Kinder mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten sind in dieser Hinsicht wirklich herausfordernd, weil sie durch ihre körperliche, sensorische, geistige oder gesundheitliche Konstitution…

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Als blindes KitaKind arabischer Eltern

Lydia's Welt

Ich war sechs Jahre alt, als ich die Chance bekam halbtags einen Kindergarten zu besuchen. Meine Eltern hatten in einigen Kindergärten nachgefragt und stets eine Absage erhalten. Grund war, dass sie kein blindes Kind aufnehmen wollten oder konnten. Irgendwann fand sich ein Kindergartenplatz für mich. Mein fünfjähriger Bruder, der ebenfalls einen Platz brauchte, konnte dort nicht aufgenommen werden. Daher hatte meine Mutter morgens und mittags einen recht langen Fußweg zu bewältigen, bis wir beide in unseren Kindergärten und sie wieder zuhause waren. Sie war zu dem Zeitpunkt schon hochschwanger. Und als meine Schwester zur Welt kam, wurde das Ganze zu einer absoluten Herausforderung für sie erst meinen Bruder und dann mich um 8:00 in den Kindergarten zu bringen.
Ich hatte im Kindergarten zum ersten Mal regelmäßig Kontakt mit nicht arabisch sprechenden Kindern. Das war für mich eine absolute Umstellung. Von meinem Vater getrennt zu sein war ich gewohnt. In meinen…

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